
Die Fusion von Paramount und Warner Bros. erschafft einen gigantischen Unterhaltungskonzern. Doch hinter den Kulissen vollzieht sich ein weitaus gefährlicherer Pakt zwischen Washington und den neuen Oligarchen. Es ist der Beginn eines amerikanischen Staatskapitalismus, der die freie Presse schleichend aushöhlt.
Es war ein Abendessen, das in einer funktionierenden, auf Gewaltenteilung bedachten Demokratie niemals hätte stattfinden dürfen. Im U.S. Institute of Peace in Washington, unweit der Machtzentren der amerikanischen Hauptstadt, lösten sich die Grenzen zwischen einer unabhängigen Presse, staatlicher Aufsicht und exekutiver Macht bei klirrenden Weingläsern in Luft auf. Am Kopfende der Tafel saß David Ellison, jener Technologie-Erbe, der im Begriff ist, für gigantische 111 Milliarden US-Dollar die Kontrolle über Warner Bros. Discovery und damit über einen beispiellosen Medienapparat zu übernehmen. Direkt an seinem Tisch: der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Um sie herum versammelte sich nicht nur die journalistische Elite von CBS News – darunter Chefredakteurin Bari Weiss und Moderatorin Norah O’Donnell –, sondern auch Todd Blanche, der amtierende Justizminister der USA. Es war jener Minister, dessen Kartellbehörde genau in diesem Moment über die Zulassung von Ellisons Mega-Deal zu entscheiden hatte. Die offizielle Einladung zu diesem diskreten Zusammentreffen ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Der Abend sei der „Ehrung des Trump White House“ gewidmet.
Was auf den ersten Blick wie ein gesellschaftliches Ereignis der Hauptstadt-Elite wirken mag, ist in Wahrheit das Symptom einer tektonischen Verschiebung. Die Fusion von Paramount Skydance und Warner Bros. Discovery ist weit mehr als eine bloße wirtschaftliche Konsolidierung in der Unterhaltungsindustrie. Sie ist ein Lehrstück über die Verschmelzung von oligarchischer Medienmacht und politischer Einflussnahme, bei der redaktionelle Unabhängigkeit und freie Märkte einem System des politischen Gefälligkeitskapitalismus weichen.

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Ein Gigant erwacht – Die neue Streaming-Weltordnung
Um die Wucht dieses Deals zu begreifen, muss man auf das schiere wirtschaftliche Volumen blicken. Die Aktionäre von Warner Bros. Discovery haben den Zusammenschluss formell abgesegnet, der zwei der ältesten Hollywood-Studios unter ein gemeinsames Konzerndach zwingt. Es entsteht eine Übermacht, die eine beispiellose Bibliothek geistigen Eigentums kontrolliert: Von „Top Gun“, „Star Trek“ und „The Godfather“ auf der einen Seite bis hin zu „Harry Potter“, „Batman“ und dem gesamten Universum von „Game of Thrones“ auf der anderen.
Doch das eigentliche Schlachtfeld dieses Krieges liegt in den Wohnzimmern der Konsumenten. Durch die Verschmelzung der Streaming-Dienste HBO Max und Paramount+ formt sich ein neuer digitaler Gigant, der schätzungsweise 200 Millionen Abonnenten weltweit auf sich vereint. Das erklärte Ziel dieser massiven Bündelung ist es, die notwendige technologische und inhaltliche Skalierung zu erreichen, um das scheinbar unantastbare Duopol von Netflix und YouTube aufzubrechen. Bislang verharrten Paramount+ (mit 1,6 Prozent der US-Zuschauerzeit) und HBO Max (mit 1,2 Prozent) in der Bedeutungslosigkeit der zweiten Liga. Gemeinsam wollen sie nun in eine völlig neue Umlaufbahn eintreten.
Als ultimative Waffe in diesem Kampf um Aufmerksamkeit dient der Live-Sport – der letzte verbliebene Lagerfeuer-Moment der zersplitterten Fernsehlandschaft. Der neue Konzern bündelt die Übertragungsrechte für die NFL, die NBA, die nordamerikanische Baseball-Liga MLB, die Eishockey-Liga NHL, das legendäre „March Madness“-Turnier, das Masters-Golfturnier und die Kampfsport-Liga UFC. Es ist ein Arsenal, das keinen Vergleich scheuen muss.
Doch dieser Gigantismus steht auf tönernen Füßen. Paramount bürdet sich für die Übernahme einen erdrückenden Schuldenberg von rund 79 Milliarden US-Dollar auf. Zwar verspricht David Ellison feierlich, der Kinobranche mit 30 Filmen pro Jahr und einem exklusiven Kinofenster von 45 Tagen die Treue zu halten, doch die wirtschaftliche Realität verlangt unweigerlich nach brutalen Einschnitten. In behördlichen Dokumenten wird bereits unverhohlen angekündigt, dass die Fusion zu signifikanten Entlassungen und der Schrumpfung von sich überschneidenden Unternehmensbereichen führen wird. Eine Industrie, die einst von den „Big Five“ dominiert wurde, schrumpft nun unaufhaltsam auf eine „Big Four“ zusammen.
Die Illusion des reinen Wettbewerbs
Angesichts dieser massiven Machtkonzentration mutet das Verhalten der staatlichen Aufsichtsbehörden geradezu grotesk an. Nach einer achtmonatigen Untersuchung winkte das Justizministerium unter Todd Blanche den Deal ohne Auflagen durch. In einer für die Behörde ungewöhnlich detaillierten Erklärung wurde argumentiert, dass die Film- und Fernsehindustrie hochgradig dynamisch sei und die Transaktion den Wettbewerb sogar noch verstärken werde. Man biete den Konsumenten durch den Zusammenschluss eine „robustere wettbewerbliche Alternative“ zu den bestehenden Platzhirschen.
Es ist ein Persilschein, den Experten wie Bill Baer, der unter Präsident Obama die Kartellabteilung leitete, als historischen „staatlichen Stempel der Zustimmung“ bezeichnen. Erstaunlich ist dabei vor allem die juristische Akrobatik: Obwohl das Ministerium feststellte, dass soziale Netzwerke wie TikTok und YouTube keine echten Wettbewerbssubstitute für klassisches Streaming und Fernsehen darstellen, sah es dennoch keine Gefahr in der Bündelung der traditionellen Medienmacht. Noch im Jahr 2022 hatte das exakt gleiche Justizministerium eine große Fusion im Verlagswesen blockiert, weil man befürchtete, dass eine geringere Anzahl von Käufern die Löhne für Kreative drücken würde.
Die Empörung in der Kreativbranche ist entsprechend gewaltig. Hunderte von Schauspielern, Regisseuren und Autoren haben in offenen Briefen ihren „uneingeschränkten Widerstand“ formuliert. Sie warnen vor einem radikalen Abbau von Arbeitsplätzen, sinkenden Honoraren für Drehbücher und einer sterilisierenden Verknappung der künstlerischen Vielfalt. Die letzte Bastion des Widerstands findet sich nun auf der Ebene der Bundesstaaten – wo Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta eigene Untersuchungen vorantreibt – sowie bei den Kartellwächtern in Großbritannien und der Europäischen Kommission.
Die Metamorphose der Nachrichten
Doch das wahre Drama dieses Deals spielt sich nicht auf den Kinoleinwänden ab, sondern in den Nachrichtenredaktionen. Die Fusion vereint mit CNN und CBS News zwei der einflussreichsten Institutionen des amerikanischen Fernsehjournalismus unter der Kontrolle eines einzigen Mannes. Man muss sich vor Augen halten, was auf dem Spiel stand: Noch im Februar lag ein 83-Milliarden-Dollar-Angebot von Netflix auf dem Tisch. Unter den Bedingungen dieses alternativen Deals wäre CNN als unabhängiges Unternehmen in die Freiheit entlassen worden. Doch Paramount setzte sich durch, und CNN wurde Teil der Beute.
Die politische Brisanz dieser Konstellation lässt sich kaum überbewerten. David Ellisons Vater, der Oracle-Gründer Larry Ellison, ist ein milliardenschwerer Verbündeter und Vertrauter von Donald Trump, der die Ambitionen seines Sohnes mit astronomischen Summen finanziert. Die Trump-Administration selbst machte in den vergangenen Monaten nicht den geringsten Hehl daraus, welche Zukunft sie sich für CNN wünscht. Der Präsident bezeichnete die bisherige Führung des Senders als „Schande“ und erklärte es für „zwingend erforderlich, dass CNN verkauft wird“. Verteidigungsminister Pete Hegseth nutzte gar das Podium einer offiziellen Pressekonferenz, um CNN wegen kritischer Berichte über den Iran-Krieg als „Fake News“ zu diffamieren und offen zu fordern: „Je eher David Ellison dieses Netzwerk übernimmt, desto besser.“.
Wir müssen nicht spekulieren, wie diese Übernahme die redaktionelle Linie prägen wird; wir können es bereits bei CBS News beobachten. Seit Skydance die Kontrolle über Paramount übernommen hat, durchläuft der Nachrichtensender eine signifikante Metamorphose. Offenkundige Schritte wurden unternommen, um ein konservativeres Publikum zu umwerben, allen voran die Ernennung von Bari Weiss zur Chefredakteurin. Kritiker werfen ihr vor, die Berichterstattung in eine Trump-freundlichere Richtung zu biegen, wenngleich sie vehement ihre Unabhängigkeit betont.
Besonders perfide offenbart sich der politische Einfluss im Umgang mit der journalistischen Integrität von Einzelformaten. Das legendäre CBS-Flaggschiff „60 Minutes“ hatte mit kritischen Berichten den Zorn des Präsidenten auf sich gezogen. Nur wenige Wochen bevor die US-Kommunikationsbehörde FCC die erste Übernahme von Paramount durch Skydance absegnete, kaufte sich der Konzern durch eine Zahlung von 16 Millionen US-Dollar von einer Klage Trumps wegen ebendieses „60 Minutes“-Interviews frei. Es ist eine finanzielle Befriedung politischer Rachegelüste, die tief blicken lässt. Kein Wunder, dass in den Redaktionsräumen von CBS News nach dem intimen Dinner mit dem Präsidenten blankes Entsetzen über die offensichtliche Verbrüderung zwischen der eigenen Führungsspitze und dem Weißen Haus herrschte.
Trumps neuer Staatskapitalismus
Um die Mechanismen dieses vorauseilenden Gehorsams zu verstehen, muss man den Blick weiten. Die Vorgänge rund um Paramount und Warner sind keine isolierten Ausrutscher, sondern die logische Konsequenz einer radikal neuen Wirtschaftspolitik. Donald Trump agiert als der interventionistischste US-Präsident seit Franklin D. Roosevelt. Er nutzt die rohe Macht des Staates – Zölle, die gewaltige Kaufkraft der Regierung und die offene Drohung mit regulatorischer Zerschlagung –, um private Unternehmen seinem politischen Willen zu unterwerfen.
Im vergangenen Jahr hat die Administration eine historische rote Linie überschritten: Sie hat die amerikanische Bundesregierung zu einem direkten Aktionär in der Privatwirtschaft gemacht. Das Justiz- und das Handelsministerium sicherten sich weitreichende Unternehmensanteile in einer Vielzahl von Schlüsselsektoren. Der drastischste Fall betraf den Halbleitergiganten Intel. Die Regierung erpresste regelrecht die Herausgabe von fast 10 Prozent der Firmenanteile im Austausch für 8,9 Milliarden Dollar an Fördergeldern, die dem Unternehmen durch den CHIPS Act eigentlich ohnehin bereits gesetzlich zugesagt waren. Auch bei Quantencomputer-Entwicklern, Produzenten von Seltenen Erden und Raketenherstellern stieg der Staat als Miteigentümer ein.
Das Fatale an dieser Entwicklung ist, dass sie keine gesetzliche Grundlage besitzt. Weder das Handelsministerium noch eine andere Behörde der Exekutive ist durch ein Gesetz autorisiert, Unternehmensbeteiligungen als Bedingung für Subventionen zu fordern. Es existieren keinerlei juristische Protokolle darüber, nach welchen Kriterien der Staat diese Firmen auswählt, wann er gedenkt, die Aktien wieder abzustoßen, oder in welche Kanäle die Erlöse fließen. In der Vergangenheit fanden derartige Eingriffe fast ausschließlich in Zeiten existenzieller Krisen statt – etwa bei der Rettung der Autoindustrie und der Wall Street im Jahr 2008 – und die Anteile wurden schnellstmöglich wieder abgestoßen. Heute jedoch wird die staatliche Beteiligung zur neuen Normalität erklärt.
Besonders beunruhigend ist, dass diese schleichende Verstaatlichung teils überparteilichen Beifall findet. Progressive Demokraten wie Elizabeth Warren und der demokratische Sozialist Bernie Sanders verteidigten den Intel-Deal mit dem Argument, der amerikanische Steuerzahler habe ein Recht auf eine „angemessene Rendite“ für seine Investitionen. Doch dieses Argument verkennt die fundamentale Gefahr: Wenn der Staat ein massives Aktienpaket an einem Unternehmen hält, verzerrt dies unausweichlich den gesamten Markt.
Eine neue Art der Schutzgelderpressung
Es entsteht ein toxischer Anreiz für die Regierung, das Spielfeld weiter zu manipulieren – durch gezielte Deregulierung, die Befreiung von Strafzöllen für die eigenen Beteiligungen oder durch direkte präsidentielle Einmischung in die Lieferketten. So drängte Trump beispielsweise Apple erfolgreich dazu, wieder Prozessoren von Intel zu verbauen. Wenn der Staat eingreift, um befreundete Unternehmen zu stützen und feindlich gesinnte zu bestrafen, wird es für Vorstände wirtschaftlich irrational, sich diesem Willen zu widersetzen – selbst wenn es in einem freien Markt die falsche Entscheidung wäre.
Für die Vorstandsetagen amerikanischer Konzerne wird der Aktiendeal mit dem Staat oder der vorauseilende politische Gehorsam zunehmend als regulärer „Kostenfaktor“ der Geschäftsabwicklung verbucht. Das Abtreten von Unternehmensanteilen oder die Anpassung redaktioneller Leitlinien sind die moderne Währung, um sich regulatorisches Wohlwollen zu erkaufen oder schlicht Repressalien zu entgehen. Das System verkommt zu einer Art politischer Schutzgelderpressung.
Und genau hier schließt sich der Kreis zu Paramount und Warner Bros. Discovery. Ein Medienunternehmen, das dringend auf die Genehmigung der Federal Communications Commission und des Justizministeriums angewiesen ist, befindet sich in einer erpressbaren Position. Es erfordert kaum Fantasie, sich vorzustellen, wie die Trump-Administration im Gegenzug für ihren Segen nicht nur personelle Änderungen in den Chefredaktionen, sondern künftig vielleicht sogar staatliche Aktienanteile an dem neu fusionierten Nachrichten- und Unterhaltungsgiganten fordern könnte.
Das Ende der Trennung von Staat und Sender
Die Genehmigung der 111-Milliarden-Dollar-Fusion offenbart somit einen tiefen Riss im Fundament der amerikanischen Institutionen. Sie zeigt eine Medienindustrie, die sich unter dem enormen finanziellen Druck ihrer eigenen Konsolidierungssucht in die absolute Abhängigkeit der Politik begeben hat. Der Druck auf Paramount war messbar: Wäre der Deal nicht bis zum 30. September vollzogen worden, hätten dem Unternehmen quartalsweise Strafzahlungen an die Aktionäre von 25 Cent pro Aktie sowie eine horrende regulatorische Ausfallgebühr von 7 Milliarden Dollar gedroht.
Wer mit dem Rücken zur Wand steht, lädt den Präsidenten und den Chef der Kartellbehörde zum privaten Dinner ein. Wer finanzielle Fristen im Nacken hat, der schweigt, wenn Regierungsvertreter offen den Verkauf des eigenen Nachrichtensenders fordern. Wenn Medienkonzerne und Großindustrielle gezwungen sind, sich ihr wirtschaftliches Überleben durch ideologische Anpassung oder die Verbrüderung mit der Exekutive zu erkaufen, dann ist der Markt nicht länger frei. Staatliche Beteiligungen und Gefälligkeiten mögen kurzfristig die Bilanzen sanieren, doch sie sind Gift für Amerika. Es ist, als würde man dabei zusehen, wie bei einem gigantischen demokratischen Gefährt die Bremsen gelöst werden – und niemand weiß genau, wie schnell und zerstörerisch die Fahrt in diesen neuen Staatskapitalismus wirklich enden wird. Senatorin Elizabeth Warren brachte es auf den Punkt, als sie das Vorgehen als „schreckliche Nachricht“ für jeden Amerikaner bezeichnete, der nicht möchte, dass Trump-nahe Milliardäre kontrollieren, was die Bürger sehen. Dieser Deal, so Warren, stinke nach Korruption und Einflussnahme. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer der Erkenntnis, dass die Übernahme bereits in vollem Gange ist.


