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Die Kameras laufen. Das Studiolicht brennt. Und die politische Offenbarung gerät vor einem Millionenpublikum zum Desaster. Megan Romer, die amtierende Co-Vorsitzende der Democratic Socialists of America (DSA), sitzt in einem hochkarätigen Fernsehinterview. Sie scheitert bereits an der historischen Einordnung des Camp-David-Gipfels aus dem Jahr 2000. Statt konkreter politischer Antworten preist sie die Verfassung Kubas als nachahmenswertes Vorbild für die Vereinigten Staaten. Auf die Frage, wie ihre Forderung, Millionäre massiv zu besteuern, in der Praxis umgesetzt werden solle, fehlt ihr jegliches ökonomische Konzept. Ihr Amtskollege Ashik Siddique weicht zeitgleich kritischen Fragen zu Fidel Castro mit Phrasen über allgemeine soziale Ungleichheit aus. Zuvor hatte die Organisation Castro in offiziellen Stellungnahmen gelobt. Die Parteibasis sucht im Nachgang nach Erklärungen. Ihr Narrativ: Den Führungsfiguren der Arbeiterklasse fehle es schlicht an professionellem Medientraining. Diese Diagnose ist falsch. Das inkompetente Auftreten der DSA-Spitze ist kein kommunikativer Betriebsunfall. Es ist das Symptom einer tiefen ideologischen Spaltung.
Die größte linke Organisation der USA wird von Extremisten geführt. Ihr Weltbild hat nichts mit den Realitäten erfolgreicher Mandatsträger gemein. Ein Riss durchzieht die Struktur. Auf der einen Seite agiert ein pragmatischer Flügel um die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. Diese Gruppe stützt sich auf demokratische Prinzipien. Sie strebt eine Massenpolitik innerhalb etablierter parlamentarischer Systeme an. Auf der anderen Seite steht ein sektiererischer Block. Er verachtet demokratische Normen. Dieser Flügel hegt offene Bewunderung für historische Diktatoren wie Mao Zedong und das iranische Regime. Die mediale Blamage ist somit kein Ausrutscher. Romer und Siddique gaben exakt die offiziellen Positionen wieder, die der extremistische Flügel der gesamten Organisation aufgezwungen hat.
Die ideologische Radikalisierung der internen Machtzirkel ist weitreichend. Romers Fraktion nennt sich „Red Star Caucus“. Die Gruppe bezeichnet sich selbst als marxistisch-leninistisch. Im vergangenen Dezember feierte sie offiziell den 132. Geburtstag des chinesischen Machthabers Mao. Die parteiinterne Bildung stützt sich auf die Schriften von Mao und dem sowjetischen Diktator Josef Stalin. Der Caucus zeigt Sympathien für die Hamas und lobt die Kooperation palästinensischer Akteure mit der vom Iran gesteuerten „Achse des Widerstands“. Kritik an autokratischen Regimen gilt intern als unzulässige Handlangerschaft für das US-Außenministerium, solange sich diese Staaten gegen die USA stellen. Der „Liberation“-Caucus spricht den Vereinigten Staaten gar den Status einer Nation ab. Das Land sei ein Völkergefängnis, in dem Amerikaner europäischer Abstammung die Wärter seien. Die Folgen dieser pro-autoritären Haltung sind greifbar. DSA-Wahlbeobachter meldeten bei der Präsidentschaftswahl in Venezuela 2024 keinen Betrug. Linke Regierungen in Brasilien, Chile und Uruguay lehnten die offenkundig falschen Wahlergebnisse ab. DSA-Beobachter hingegen priesen das System von Nicolás Maduro als eines der besten der Welt. Die venezolanische Opposition diffamierten sie wahrheitswidrig als faschistisch.
Diese extremistische Führung operiert völlig losgelöst von der Basis. Die Mehrheit der rund 120.000 Mitglieder teilt weitaus mehr politische Ziele mit Ocasio-Cortez als mit der Hamas. In New York City verzeichnet die DSA über 15.000 aktive Mitglieder. In der Bronx und in Queens stimmten im Jahr 2024 mehr als 80 Prozent für eine formelle Unterstützung von Ocasio-Cortez. Der sektiererische Flügel erzwang dennoch ein Ende dieser Unterstützung. Die Abgeordnete habe in der Israel-Politik den dogmatischen Reinheitstests nicht entsprochen. Die Extremisten sichern ihre Dominanz nicht durch Mehrheiten. Sie manipulieren interne Prozesse. Direkte basisdemokratische Abstimmungsverfahren lehnen sie kategorisch ab. Gewählte Abgeordnete betrachten sie nicht als konstruktive Gesetzgeber. Mandatsträger sollen den parlamentarischen Betrieb vielmehr durch gezielte Sabotage und organisierte Zwischenrufe stören.
Der pragmatische intellektuelle Mainstream der DSA wehrt sich gegen diese feindliche Übernahme. Der Arbeitshistoriker Eric Blanc, der „Jacobin“-Gründer Bhaskar Sunkara und der Philosoph Ben Burgis fordern ein Modell nach dem Vorbild der nordischen Sozialdemokratie. Die Organisation dürfe nicht davor zurückschrecken, linke Diktaturen zu kritisieren. In dem Buch „The Blueprint“ entwerfen Burgis, Sunkara und der Ökonom Mike Beggs ein detailliertes Wirtschaftsmodell. Sie stützen sich auf den liberalen Philosophen John Rawls und setzen sich akademisch mit Kritikern des Sozialismus wie Friedrich Hayek und Ludwig von Mises auseinander. Das wirtschaftliche und politische Komplettversagen der historischen Sowjetunion sezieren sie präzise. Diese intellektuelle Tiefe entlarvt die Phrasen der DSA-Führung über das bloße Besteuern von Millionären als politische Naivität. Will der pragmatische Flügel den Wählern beweisen, dass sein demokratischer Sozialismus eine tragfähige Alternative ist, muss er einen rigorosen Bruch mit den Bewunderern von Mao und Hamas vollziehen. Solange sich beide Lager eine Organisation teilen, reißt die mediale Gleichsetzung von Sozialismus und Extremismus nicht ab. Medientraining wird diesen strukturellen Defekt nicht beheben.


