Der Krieg der Wahl: Wie Trumps riskantes Endspiel im Iran den Nahen Osten und Washington entzündet

Illustration: KI-generiert

Es ist der Moment, in dem die jahrzehntelange, kühle Feindschaft zwischen Washington und Teheran in ein loderndes Inferno umschlägt. In einem abgedunkelten Raum stehend, auf dem Kopf eine Kappe mit der Aufschrift U.S.A., verkündete Präsident Donald Trump in den frühen Morgenstunden des 28. Februar 2026 den Beginn umfassender Kampfhandlungen gegen die Islamische Republik Iran. Was als Operation Epic Fury in die Militärannalen eingehen wird, ist kein chirurgischer Eingriff zur reinen Abschreckung mehr. Es ist der unverhüllte Versuch eines gewaltsamen Regimewechsels, orchestriert durch die überlegene Luftmacht der USA und Israels.

Doch dieser Krieg der Wahl ruht auf einem überaus fragilen Paradoxon. Das theokratische System des Iran soll gestürzt werden, ohne dass amerikanische Bodentruppen den blutigen Preis dafür zahlen. Stattdessen ruht die Hoffnung auf einer wehrlosen, von Bomben terrorisierten Zivilbevölkerung, die das Werk der hochgerüsteten Kampfflugzeuge vollenden soll. Während sich die Schockwellen dieses beispiellosen Präventivschlags über den gesamten Persischen Golf ausbreiten, entfremden die USA ihre engsten Verbündeten, stürzen ihre eigene Hauptstadt in eine tiefe Verfassungskrise und riskieren einen regionalen Flächenbrand, dessen Ende niemand vorhersehen kann.

Arbeitsteilung der Zerstörung

Als die Uhren an der amerikanischen Ostküste ein Uhr nachts anzeigten, brach über dem Iran ein Hagel aus Marschflugkörpern und luftgestützten Raketen herein. Es war der Auftakt einer minutiös geplanten, koordinierten Offensive, die eine bemerkenswerte strategische Arbeitsteilung offenbarte. Die US-Streitkräfte, unterstützt von einer massiven Armada aus Zerstörern und dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, konzentrierten sich primär auf die militärische Infrastruktur des Landes. Ihre Ziele bestanden in der Zerschlagung von Raketenbasen, der Ausschaltung der iranischen Flugabwehr sowie der Zerstörung der Kommando- und Kontrollzentren der einflussreichen Revolutionsgarden.

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Israel hingegen übernahm die Rolle des Scharfrichters für die Führungsriege des Regimes. In einem beispiellosen Enthauptungsschlag visierten israelische Kampfjets die Nervenzentren der Islamischen Republik an. Ein Angriff auf das Hauptquartier des iranischen Geheimdienstes riss tiefe Lücken in die Sicherheitsarchitektur; mindestens vier hochrangige Kommandeure, darunter die Leiter für Terrorismusbekämpfung und Spionageabwehr, wurden getötet. Alles bricht dort zusammen, beschrieb ein Beobachter die Panik innerhalb des Apparats.

Noch dramatischer sind die Bilder aus dem Herzen Teherans. Satellitenaufnahmen zeigen dicke, schwarze Rauchwolken und eingestürzte Gebäude auf dem hochgesicherten Komplex des Obersten Führers, Ayatollah Ali Chamenei. Das Schicksal des mächtigsten Mannes im Iran bleibt im dichten Nebel des Krieges verborgen. Während der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu in einer Fernsehansprache erklärte, es gebe viele Anzeichen dafür, dass dieser Tyrann nicht mehr ist, beharrte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi darauf, die Führung sei wohlauf. Es ist ein Spiel mit Schatten und Behauptungen, das die tiefe Unsicherheit über die Stabilität der theokratischen Herrschaft offenlegt.

Konstruierte Dringlichkeit

Warum jetzt? Diese Frage hallt laut durch die Korridore der internationalen Diplomatie. Die achtminütige Videoansprache des amerikanischen Präsidenten lieferte einen Katalog an historischen und gegenwärtigen Vorwürfen, doch bei näherer Betrachtung zerbröckelt die narrative Fassade einer unausweichlichen, unmittelbaren Bedrohung.

Der Präsident rechtfertigte den Angriff unter anderem mit der Behauptung, der Iran sei im Jahr 2000 in den Terroranschlag auf den US-Zerstörer U.S.S. Cole verwickelt gewesen. Eine kühne These, für die es laut US-Geheimdiensten und dem FBI keinerlei öffentliche Beweise gibt; die Verantwortung lag unbestritten bei dem Terrornetzwerk Al-Qaida.

Noch eklatanter ist der logische Widerspruch beim iranischen Atomprogramm. Noch im vergangenen Sommer hatte die amerikanische Führung medienwirksam verkündet, amerikanische Bomber hätten die nuklearen Anlagen des Iran ausgelöscht. Nun, wenige Monate später, wird genau dieses Programm als so drängende Gefahr inszeniert, dass ein Krieg unausweichlich sei. Regierungsberichte und Beobachter der Internationalen Atomenergiebehörde widersprechen dem vehement: Es gebe keine Beweise dafür, dass der Iran aktuell eine Atombombe baue, noch seien seit den letzten Angriffen im Juni neue Anlagen errichtet worden. Auch die Warnung, iranische Interkontinentalraketen könnten bald amerikanisches Festland erreichen, steht im direkten Widerspruch zu Analysen der Defense Intelligence Agency, die eine solche Fähigkeit frühestens für das Jahr 2035 prognostiziert.

Der bittere Beigeschmack dieses Präventivschlags wird durch die zeitliche Nähe zu diplomatischen Bemühungen verstärkt. Noch am Donnerstag saßen amerikanische und iranische Unterhändler im schweizerischen Genf zusammen, um über das Atomprogramm zu verhandeln. Nach dem Beginn der Bombardements zeigte sich der omanische Außenminister und Vermittler Badr Albusaidi zutiefst bestürzt. Aktive und ernsthafte Verhandlungen wurden wieder einmal untergraben, klagte er und warnte die USA davor, sich weiter in einen Konflikt hineinziehen zu lassen, der nicht der ihre sei.

Das Paradoxon der Befreiung

Wenn wir fertig sind, übernehmen Sie Ihre Regierung, rief der amerikanische Präsident den Iranern in seiner Ansprache zu. Sie wird Ihnen gehören. Es ist die verlockende, aber zynische Fata Morgana einer chirurgischen Befreiung. Die Realität am Boden sieht anders aus. Wenn Bomben fallen, unterscheiden sie nicht zwischen Regimeträgern und jenen Bürgern, in deren Namen dieser Krieg angeblich geführt wird.

Am Samstagmorgen, als im Iran die neue Arbeitswoche begann und das öffentliche Leben erwachte, schlug die harte Realität des Krieges ein. In der südlichen Stadt Minab wurde eine Mädchengrundschule in Trümmer gelegt. Die Bilder, die sich in den sozialen Netzwerken verbreiteten, spotteten jeder Rhetorik von chirurgischer Präzision: Rettungskräfte, die durch blutige Rucksäcke gruben, wimmernde Angehörige und der unerträgliche Anblick abgetrennter Gliedmaßen. Der Iranische Rote Halbmond meldete in einer ersten, düsteren Bilanz landesweit über 200 Tote und beinahe 750 Verletzte.

Das Regime, das seine Bürger in Friedenszeiten drangsaliert, ließ sie auch im Krieg im Stich. Es gab kaum Evakuierungspläne, keine vorbereiteten Schutzräume mit grundlegenden sanitären Anlagen. Stattdessen verstopften flüchtende Familien die Ausfallstraßen von Teheran, bildeten verzweifelte Schlangen vor Bäckereien und leeren Geldautomaten, während das Staatsfernsehen anstelle von Überlebenshinweisen lediglich patriotische Kriegslieder aus den Achtzigerjahren in Dauerschleife sendete. Um den Informationsfluss und mögliche Proteste im Keim zu ersticken, kappte der Staat die digitale Nabelschnur: Die Internetkonnektivität fiel auf mickrige vier Prozent. Eine Zivilbevölkerung, die blind, isoliert und unbewaffnet im Kreuzfeuer steht, soll nun den schwer bewaffneten Sicherheitsapparat stürzen, der erst vor wenigen Wochen bei landesweiten Protesten Tausende Menschen massakrierte. Ein historisches Wunschdenken, das die brutale Mechanik von Diktaturen verkennt.

Der entfesselte Flächenbrand

Die Illusion, ein Krieg ließe sich geografisch isolieren, zerplatzte binnen weniger Stunden. Der Iran, in die Ecke gedrängt, reaktivierte sein Netzwerk der Vergeltung und nahm amerikanische Interessen im gesamten Nahen Osten ins Visier. Das weitreichende iranische Militär feuerte Wellen von ballistischen Raketen und Drohnen ab.

Getroffen wurde nicht nur Israel, wo die Menschen hastig in Luftschutzbunker flohen und Krankenhäuser ihre Patienten in Tiefgaragen verlegten. Die Vergeltungsschläge erreichten auch die amerikanischen Verbündeten in der Region. Die amerikanische Marinebasis in Bahrain, Hauptquartier der fünften Flotte, stand nach einem Drohnenangriff in Flammen, dicker, schwarzer Rauch stieg in den Himmel. Raketen und Trümmerteile regneten auf Jordanien, Kuwait und Katar herab. In den Vereinigten Arabischen Emiraten schlug das Chaos buchstäblich in die Zentren des globalen Reichtums ein: Ein Luxushotel auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah in Dubai brannte, Trümmerteile töteten in Abu Dhabi mindestens einen Menschen.

Gleichzeitig legte Teheran die Hand an die Halsschlagader der globalen Wirtschaft. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus für unsicher und untersagten Schiffen die Durchfahrt. Reedereien zogen ihre Tanker eilig zurück, Luftfahrtgesellschaften strichen massenhaft Flüge und der gesamte Luftraum der Region verwandelte sich in eine Geisterzone. Da ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung durch dieses Nadelöhr fließt, erwarten Analysten einen drastischen Preisschock an den internationalen Ölmärkten. Der Persische Golf brennt, und die Weltwirtschaft spürt die Hitze.

Die Verfassungskrise in Washington

Während im Nahen Osten die Raketen fliegen, entzündet sich in Washington ein fundamentaler Streit um die Architektur der amerikanischen Demokratie. Wieder einmal hat ein Präsident die enormen militärischen Kapazitäten der USA genutzt, um ohne die ausdrückliche Zustimmung des Kongresses einen weitreichenden Krieg zu beginnen.

Führende Demokraten reagierten mit offener Empörung. Senator Tim Kaine sprach von einem kolossalen Fehler und einer gefährlichen, unnötigen und idiotischen Aktion. Gemeinsam mit Fraktionschef Chuck Schumer und anderen Parlamentariern fordert er die sofortige Rückkehr des Senats, um über eine Resolution zur Beschränkung der exekutiven Kriegsvollmachten abzustimmen. Präsident Trump hat versprochen, endlose Kriege zu beenden, kritisierte der Abgeordnete Ruben Gallego, stattdessen hat er uns illegal in einen weiteren hineingezogen, ohne Autorisierung des Kongresses und ohne langfristige Strategie. Senator Jack Reed warnte düster, die Nation sei in einen großen Krieg gestoßen worden, auf den man sich nun langfristig einstellen müsse.

Die Republikaner hingegen sammelten sich weitgehend hinter ihrem Präsidenten. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, lobte die Angriffe und verwies darauf, dass eine kleine Gruppe hochrangiger Parlamentarier im Vorfeld durch Außenminister Marco Rubio informiert worden sei. Doch selbst innerhalb des eigenen Lagers gibt es kognitive Dissonanzen. Noch wenige Tage vor den Schlägen hatte Vizepräsident JD Vance versichert, es gebe keine Chance, dass die USA in einen jahrelangen, endlosen Krieg im Nahen Osten hineingezogen würden. Am Samstag saß derselbe Vance im Situation Room des Weißen Hauses und verfolgte einen Konflikt, dessen Ausgang völlig ungewiss ist.

Geopolitische Isolation

Dieser militärische Alleingang hinterlässt die USA auf der Weltbühne zunehmend isoliert. Selbst die engsten europäischen Verbündeten weichen zurück. Großbritannien, das traditionell Seite an Seite mit den USA kämpft, beteiligte sich nicht an den Angriffen und verweigerte Berichten zufolge sogar die Nutzung seiner Bomberbasen. Zwar forderte der britische Premierminister Keir Starmer den Iran auf, von weiteren Angriffen abzusehen, doch die erhoffte bedingungslose Solidarität mit Washington blieb aus. Der französische Präsident Emmanuel Macron zeigte sich pikiert, im Vorfeld nicht informiert worden zu sein, und forderte eindringlich eine Rückkehr zur Diplomatie.

Die europäische Skepsis speist sich aus der drängenden, unbeantworteten Frage nach der Zeit danach. Was passiert, wenn das Regime in Teheran tatsächlich kollabiert? Wenn man wirklich einen Regimewechsel will, wie soll das funktionieren?, fragte ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter fassungslos angesichts der augenscheinlich fehlenden amerikanischen Planung. Fällt das Land in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen ethnischen Gruppen wie den Kurden und Belutschen? Übernimmt eine noch radikalere Militärjunta der Revolutionsgarden die Macht? Oder setzt der Westen auf den Sohn des gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, dessen Rückhalt im eigenen Land selbst in amerikanischen Regierungskreisen als höchst umstritten gilt?

Während Europa zögert, reagieren die Regierungen in Moskau und Peking mit scharfer Verurteilung. Russland warnt vor einer drohenden und katastrophalen Eskalation, während China tiefe Besorgnis äußert und die Respektierung der iranischen Souveränität anmahnt. Der Westen wirkt gespalten, und die geopolitischen Rivalen inszenieren sich geschickt als Mahner für globale Stabilität.

Der Sklave unvorhersehbarer Ereignisse

Es ist der fatale Irrglaube an die chirurgische Sauberkeit der modernen Kriegsführung, der dieses riskante Endspiel antreibt. Die Vorstellung, man könne einen Staat mit über neunzig Millionen Einwohnern durch Luftangriffe zur Demokratie bomben, negiert nicht nur historische Erfahrungen, sondern gefährdet auch die globale Sicherheitsarchitektur massiv.

Schon jetzt zeichnen sich die strategischen Risse ab. Die Bestände an teuren Präzisionswaffen, Abfangraketen und Marschflugkörpern schwinden rasant. Jeder Marschflugkörper, der über Teheran abgeworfen wird, fehlt potenziell in zukünftigen, existenzielleren Krisen, etwa im pazifischen Raum. Die USA degradieren ihre eigene militärische Kapazität in einem Krieg, der durch diplomatische Kompromisse hätte vermieden werden können.

Am Ende bleibt eine historische Wahrheit, die Winston Churchill einst pointiert formulierte: Wer dem Kriegsfieber nachgibt, ist nicht länger der Herr der Politik, sondern wird unweigerlich zum Sklaven unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Ereignisse. Die USA und Israel haben in dieser Februar-Nacht die Bremsen eines gigantischen, gefährlichen Gefährts gelöst. Die Fahrt ins Ungewisse hat gerade erst begonnen, und niemand weiß, in welchem Abgrund sie enden wird.

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