
Nach einer kurzen Unterbrechung greift das amerikanische Militär erneut iranische Stellungen an, worauf Teheran mit dem Beschuss von Stützpunkten im Nahen Osten reagiert. Im Zentrum der militärischen Auseinandersetzungen steht der iranische Versuch, die wichtigste globale Ölroute administrativ und mit neuen asymmetrischen Waffensystemen zu beherrschen. Der Konflikt offenbart die Grenzen der wirtschaftlichen Eindämmungspolitik.
Die seit dem 29. Juli andauernde militärische Zurückhaltung am Persischen Golf ist beendet. In der Nacht zum Dienstag attackierte das amerikanische Militär iranische Stellungen, nachdem in den Tagen zuvor erneut zivile Handelsschiffe angegriffen worden waren. Als Reaktion feuerte der Iran Mittelstreckenraketen und Drohnen auf Militärstützpunkte in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ab, auf denen amerikanische Einheiten stationiert sind. Damit setzt sich ein Konflikt fort, der Ende Februar von den Vereinigten Staaten und Israel initiiert wurde. Der amerikanische Präsident hatte zwischenzeitlich von weiteren direkten Angriffen abgesehen, da die eigenen Munitionsbestände schwanden und regionale Verbündete wie Saudi-Arabien zur militärischen Zurückhaltung mahnten. Stattdessen sollte der Iran wirtschaftlich unter massiven Druck gesetzt werden. Die unmittelbaren ökonomischen Auswirkungen der erneuten bewaffneten Eskalation zeigten sich sofort an den internationalen Märkten, als die Rohölpreise nach Bekanntwerden der Angriffe um rund vier Prozent anstiegen.
Der logistische Mittelpunkt der iranischen Kontrollbemühungen befindet sich auf einem kleinen Eiland unweit der Hafenstadt Bandar Abbas. Die knapp dreißig Quadratmeilen große Insel Larak, die noch im Jahr 2021 von staatlichen iranischen Medien als Touristenziel mit unberührten Korallenriffen beworben wurde, bildet nun gemeinsam mit den Inseln Qeschm und Hormus ein hochmilitarisiertes Dreieck. Von diesem Stützpunkt aus zwingt die iranische Marine internationale Frachter auf eine nördliche Route, die dicht entlang der eigenen Küstenlinie verläuft. Handelsschiffe, die stattdessen die traditionelle Passage in der Nähe des Oman wählen, geraten gezielt unter iranischen Beschuss. Um diesen territorialen Machtanspruch administrativ abzusichern, etablierte Teheran die sogenannte Persian Gulf Strait Authority. Diese Behörde verlangt für die Durchfahrt eine formelle Genehmigung und wertet jede Abweichung von der verordneten Nordroute als Verstoß, der mit Zwangsmaßnahmen beantwortet wird.
Die operative Durchsetzung dieser Seeblockade stützt sich zunehmend auf asymmetrische Waffensysteme. Das amerikanische Zentralkommando begründete die Bombardements auf Larak Island mit der Beobachtung iranischer Einheiten, die dort mobile Abschussrampen für präparierte Raketen in Stellung brachten. Bei diesem System handelt es sich um eine Variante der Fajr-5-Artillerierakete, die anstelle eines regulären Sprengkopfes eine einzelne Seemine in die Fahrrinnen befördert. Diese Sprengkörper sind mit einem Durchmesser von gut 33 Zentimetern und einer weitaus geringeren Sprengmasse deutlich kleiner als herkömmliche, am Meeresgrund verankerte Minen. Während sie für die doppelwandigen Rümpfe großer Öltanker überschaubare strukturelle Schäden anrichten, können sie lokale Fischerboote massiv beschädigen oder unkontrolliert an Strände gespült werden. Als freischwimmende Treibminen entziehen sie sich nach dem Abschuss jeglicher Steuerung und werden ausschließlich von den Winden und Strömungen des Golfs bewegt.
Die bisherigen politischen Instrumente zur Lösung dieser Blockade erweisen sich als wirkungslos. Ein im Juni unterzeichnetes Abkommen zwischen Washington und Teheran, das die vollständige Wiedereröffnung der Schifffahrtsroute garantieren sollte, zerbrach bereits nach wenigen Wochen. Die amerikanische Administration versucht seither, den Iran durch eine rigide Seeblockade seiner Häfen und verschärfte wirtschaftliche Sanktionen zu Zugeständnissen zu zwingen. Die lückenlose Durchsetzung derartiger Sanktionen ist im internationalen Handel jedoch komplex und birgt permanente Risiken für Konflikte mit Großmächten wie China. In der Region wächst infolgedessen die politische Frustration über diese Pattsituation. Anwar Gargash, ein hochrangiger Regierungsvertreter der Emirate, kritisierte öffentlich das Fehlen eines tragfähigen Fahrplans und betonte, dass der aktuelle Zustand zwischen Krieg und Frieden keine Basis für die Aufrechterhaltung der globalen Lieferketten darstelle.
Die amerikanische Darstellung der Sicherheitslage vor Ort steht überdies im Kontrast zu den physischen Gegebenheiten auf dem Meer. Während der amerikanische Präsident noch Ende August erklärte, alle Seeminen seien aus den internationalen Gewässern geräumt worden, steuert das amerikanische Militär Handelsschiffe weiterhin im Verborgenen durch die Randbereiche der Meerenge. Admiral Brad Cooper, Befehlshaber des Zentralkommandos, bestätigte zwar die oberflächliche Räumung der internationalen Hauptfahrrinnen, wies jedoch darauf hin, dass die Gesamtroute extrem riskant bleibt. Der Tod von mindestens zwei Seeleuten und das Verschwinden eines weiteren Besatzungsmitglieds in den vergangenen Wochen belegen diese fortlaufenden Gefahren. Mit den jüngsten Vergeltungsschlägen, die laut iranischen Offiziellen unter anderem Infrastruktur in Tschabahar, Konarak und Dschask trafen, verfestigt sich die militärische Auseinandersetzung. Da die Revolutionsgarden weitere schwere Gegenschläge ankündigten, bleibt eine nachhaltige Sicherung der globalen Energieversorgung im Persischen Golf ungewiss.


