
Lindsey Graham starb in der Nacht zum Sonntag, wenige Stunden nach seiner Rückkehr aus Kiew. Sein Tod trifft nicht nur die Republikaner im Senat – er reißt eine Lücke, die Washington kaum schließen kann. Und die den Krieg in der Ukraine mitentscheiden könnte.
Der Junge aus dem „Sanitary Café“
Die Kneipe hieß „Sanitary Café“, was schon damals nach einem Witz klang. In Central, einem verschlafenen Nest im ländlichen South Carolina, führten Grahams Eltern das Lokal, in dem sich Kleinstadt-Originale, Farmer und Trinker die Klinke in die Hand gaben. Zwischen Tresen und Zigarettenqualm wuchs ein hagerer Junge auf, den die Stammgäste „Stinkball“ nannten. Er hing am Rockzipfel seines Vaters, hörte zu, lernte zu witzeln, lernte, sich beliebt zu machen. Er lernte, dass Nähe zu den Starken alles war.
Diese Kindheit endete abrupt. Beide Eltern starben, als Graham gerade in seinen Zwanzigern war. Plötzlich stand der junge Mann allein da – und mit ihm seine deutlich jüngere Schwester. Ein ROTC-Stipendium und später der Sold der U.S. Air Force hielten die kleine Restfamilie über Wasser. Aus dem Kneipenkind wurde ein Uniformierter. Und aus dem Uniformierten ein Militärjurist, der zwei Jahrzehnte in der Reserve blieb.

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Der Kalte Krieg schickte ihn nach Westdeutschland, spätere Konflikte in den Irak und nach Afghanistan – auch dann noch, als er längst im U.S. Senat saß. Die Streitkräfte, sagte er einmal, hätten ihm eine Aufgabe gegeben, die größer war als er selbst. Sie hätten ihn „in die Gesellschaft von Patrioten“ gestellt. Es klang pathetisch, war aber ernst gemeint. Für den erwachsenen Graham war das Militär keine Karrierestation, sondern eine moralische Heimat.
Aus diesem Fundament wuchs ein Muster, das seine gesamte Laufbahn prägen sollte. Der Junge, der einst dem Vater durch die Bar folgte, suchte sein Leben lang nach starken Männern, an die er sich anlagern konnte. Er nannte sie „Alpha-Dogs“. Zuerst war es der Vater. Dann John McCain, der Kriegsheld und Senator, mit dem er die Welt bereiste. Am Ende, verstörend genug, war es Donald Trump. Es war stets dasselbe Prinzip: Beschützer und Eintrittskarte in einem.
Noch 2014 zeichnete Graham von sich selbst das Bild eines pragmatischen Handwerkers der Politik. Er verachte Populismus, gab er damals zu Protokoll. Washington sei kaputt, richtig – aber kaputt sei es, weil alle nur brüllten und niemand mehr repariere. „Ich versuche es.“ Ein Satz wie ein Denkmal. Wer den späteren Graham verstehen will, muss diesen frühen Satz mitdenken. Denn was danach geschah, war die schrittweise Demontage genau dieses Selbstbildes.
Vom „Nutjob“-Kritiker zum Trump-Verteidiger
Im Sommer 2015 nannte Lindsey Graham den Kandidaten Donald Trump einen Rassisten, einen Fremdenfeind, einen religiösen Bigotten. Er solle „zur Hölle fahren“. Ein „Spinner“ sei er, ein Gefahrenherd für die Republik. Es waren Sätze, die man nicht mehr zurückholt. Sie waren dokumentiert, sie waren öffentlich, sie waren unmissverständlich. Graham selbst kandidierte damals für das Weiße Haus, chancenlos zwar, aber überzeugt, dass seine Partei einen Abgrund vor sich habe.
Im Mai 2016 legte er nach. Falls die Republikaner diesen Anfänger nominierten, twitterte er, werde die Partei „vernichtet“ werden. Und dann kam der Nachsatz, der bis heute nachhallt: „Und wir werden es verdient haben.“ Es war der Ton eines Mannes, der die Tür hinter sich zuschlug. In Europa traf ihn die Journalistin Anne Applebaum im Frühjahr desselben Jahres auf einer Sicherheitskonferenz. Sie erinnert sich an einen Graham, der zu deprimiert war, um überhaupt zu sprechen. Ein Patriot in Schockstarre.
Trump seinerseits verachtete, was Graham heilig war. Privat spottete der spätere Präsident über amerikanische Soldaten als „Trottel und Verlierer“ – über jene Armee, die den Waisenjungen aus Central einst gerettet hatte. Auf einem Kampagnenauftritt las Trump aus schierer Wut Grahams private Handynummer vor Zehntausenden Zuschauern vor. Graham hatte ihn zuvor einen „Esel“ genannt. Es war eine öffentliche Demütigung, kalkuliert und brutal. Zwei Männer, die sich abgrundtief zu verachten schienen.
Und dann geschah das Unerklärliche. Graham drehte bei. Die Golfrunden begannen. Die Fernsehauftritte, in denen er den Präsidenten verteidigte, folgten. Und schließlich jener rot angelaufene, wutschnaubende Auftritt im Justizausschuss, in dem er Brett Kavanaughs Nominierung für den Supreme Court rettete – und sich damit dauerhaft ins Herz des Trump-Lagers brüllte. Trump selbst sollte diesen Moment später als Grahams größtes Vermächtnis bezeichnen, als eine der Sternstunden des Senats überhaupt.
Nach dem Sturm aufs Kapitol am 6. Januar 2021 schien der Bann noch einmal zu brechen. In einer Rede tief in der Nacht erklärte Graham vom Boden des Senats aus: „Genug ist genug.“ Es sollte der endgültige Bruch sein. Es war nicht einmal ein vorläufiger. Sobald klar wurde, dass Trump die Partei weiterhin dominierte, kroch Graham zurück in den Windschatten des Präsidenten. Applebaum wählt für diese Kehrtwende ein hartes Wort: Kollaboration. Graham habe die Ideale seiner Jugend begraben, um in der Nähe der Macht zu bleiben.
Das Handwerk der Relevanz
Ein Wort verfolgte Graham durch seine gesamte Karriere: relevant. Es war Selbstbeschreibung, Ziel und Zwang zugleich. Ein Senator, der nicht mehr gefragt wurde, war für ihn nichts. Wer verstehen will, wie Graham seine Rolle im Trump-Kosmos definierte, muss dieses eine Wort verstehen. Alles andere ergibt sich daraus.
Die Bühne, auf der Graham diese Relevanz produzierte, war das Sonntagsfernsehen. Meet the Press, Face the Nation, This Week – die klassischen Politik-Talks, die längst weniger Zuschauer hatten als früher. Für Graham blieben sie das Nervenzentrum Washingtons. Er wusste, dass Trump ein Fernsehjunkie ist, ein Präsident, der Politik über den Bildschirm konsumiert. Wer Trump erreichen wollte, musste in „die Shows“. 63-mal saß Graham bei Meet the Press. Der 64. Auftritt war für jenen Sonntagmorgen geplant, an dem er stattdessen tot war. Der Rekord seines verstorbenen Freundes John McCain – 73 Auftritte – blieb unerreicht.
Grahams eigentliches Kunststück war jedoch nicht das Reden, sondern das Manipulieren. Er sprach überraschend offen über seine Methode, den Präsidenten zu lenken. Wer Trump nur schmeichle, verliere seinen Respekt, erklärte er einmal. Der Trick sei ein anderer: Man müsse dem Präsidenten einreden, dass Barack Obama in derselben Lage das genaue Gegenteil getan hätte. „Obama treibt ihn in den Wahnsinn.“ Auf diesem simplen psychologischen Hebel baute Graham außenpolitische Strategien auf. Für viele in Washington klang das wie Zynismus. Für Graham war es Handwerk.
Off Camera plauderte er mit demokratischen Kollegen, klopfte Schultern, tauschte Witze. Sobald das rote Licht der Kamera anging, spuckte er Feuer im Namen der MAGA-Bewegung. Vizepräsident J. D. Vance beschrieb den Effekt später in einer Anekdote: Am einen Tag habe er sich mit Graham über Ukraine-Milliarden ein Schreiduell geliefert, am nächsten Tag habe man gemeinsam an einem Eisenbahngesetz gearbeitet. Genau das war der Betriebsmodus. Streiten, umarmen, weiterarbeiten. Für Trumps Chefstrategen Stephen Miller war Graham „der letzte einer aussterbenden Art amerikanischer Senatoren“.
Der einsame Krieger für Kiew
Am Freitag vor seinem Tod stand Lindsey Graham noch in der Villa des ukrainischen Präsidenten. Es war sein zehnter Besuch seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022. Zehnmal war er nach Kiew gereist, oft in einem Sonderzug der ukrainischen Staatsbahn, oft mit einem privaten Abteil und zwei schmalen Betten für die nächtliche Fahrt aus Polen. Zehnmal saß er dem ukrainischen Präsidenten gegenüber, mal ermahnend, mal mahnend, immer mit derselben, weichen Carolina-Melodie in der Stimme.
Seine erste Reise führte ihn im Juli 2022 nach Butscha, in jenen Vorort von Kiew, den russische Truppen einen Monat lang besetzt hatten. In einem Kirchhof sah Graham die Spuren eines Massengrabs für ermordete Zivilisten. Er nannte den Ort danach „geheiligten Boden“. Doch wer ihn wirklich verstehen wollte, hörte auf seine andere Sprache – die Sprache des Kalküls. Er nannte die US-Milliarden für Kiew öffentlich die klügste Investition, die Washington seit Jahrzehnten getätigt habe. Amerika habe die Kampfkraft der russischen Armee um die Hälfte reduziert. Und keinen einzigen amerikanischen Soldaten habe es dabei verloren. „Ein großartiges Geschäft für Amerika.“
Es waren Sätze, die Moskau in Rage brachten. Der Kreml erließ einen Haftbefehl gegen Graham. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow höhnte, es sei „kaum vorstellbar, welche größere Schande ein Land haben könne als solche Senatoren“. Kritiker in den USA warfen Graham vor, er habe eben nicht die Menschen in Kiew gemeint, sondern nur die strategische Beute. Präsident Wolodymyr Selenskyj sah das anders. Er übernahm Grahams zynische Logik und trug sie in europäische Hauptstädte, wenn es darum ging, weitere Waffen und Milliarden loszueisen. Was in Washington nach Kaltschnäuzigkeit klang, wurde in Brüssel zur Verkaufsformel.
Diese Beziehung war nicht frei von Spannungen. Als die ukrainische Armee im August 2024 überraschend in die russische Region Kursk einmarschierte, saß Graham gerade in Kiew. „Naja, Sie sind jetzt in Russland. Gut, dass Sie uns vorher nichts gesagt haben“, soll er mit einem Grinsen zu Selenskyj gesagt haben. Der frühere Außenminister Dmytro Kuleba war Zeuge. Selenskyj lachte. Dann diskutierten sie eine Stunde lang, was ein möglicher Wahlsieg Trumps im November für die Ukraine bedeuten würde. Sechs Monate später sollten sie eine bittere Antwort bekommen.
Serhij Kyslyzja, stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung in Kiew, formulierte es am Sonntag so: Grahams weicher Carolina-Akzent, der harte Entscheidungen überbringe, werde fehlen. Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak nannte den Toten „einen echten Wegweiser für die Ukraine auf dem Capitol Hill“. Graham sei nicht aus Protokoll unter Luftalarm gekommen. Er habe alles mit eigenen Augen sehen wollen. Es sind Nachrufe, die verraten, wie einsam die Ukraine in Washington ab morgen sein wird.
Das unvollendete Werk
Ein Gesetz ist Grahams offene Wunde. Sein Sanktionspaket gegen Russland, im Frühjahr 2025 als Senate Bill 1241 eingebracht, sollte Käufer russischen Öls hart bestrafen und die Kriegsmaschine Moskaus austrocknen. Es kam nie zur Abstimmung. Auf seiner 70. Geburtstagsfeier im vergangenen Sommer, an der auch Stephen Miller teilnahm, versprach Graham seinen Gästen, das Gesetz werde „in wenigen Tagen“ verabschiedet, Trump habe die Unterschrift zugesagt. Es wurde ein leeres Versprechen. Sein Sanktionsentwurf mutierte im Betrieb des Kongresses zum ewigen Wiedergänger – angekündigt, vertagt, angekündigt, vertagt.
Um Trump doch noch umzustimmen, griff Graham zu einem Trick, der genau auf die Instinkte des Präsidenten zielte. Er entwarf einen Rohstoff-Deal: Die Vereinigten Staaten sollten sich den Löwenanteil der Gewinne aus ukrainischen Seltenen Erden und anderen Bodenschätzen sichern. Es war Verkaufspolitik im Maßstab eines Kontinents. Für Graham war das die Sprache, die Trump verstand. Ein Krieg wurde umetikettiert in ein Geschäft, eine Verteidigungsallianz in eine Konzession. Wenn der Präsident nicht aus Überzeugung helfen wollte, sollte er es aus Gier tun.
Der Plan explodierte im Februar 2025 im Weißen Haus. Vor der geplanten Unterzeichnung des Mineralien-Abkommens coachte Graham den ukrainischen Präsidenten wie ein Trainer vor einem Titelkampf: Bloß nicht auf Provokationen einsteigen, bloß nicht die Fassung verlieren. Selenskyj tat genau das, was Graham verhindern wollte. Aus der Zeremonie wurde ein Schreiduell. Auf dem Rasen vor dem Weißen Haus stellte sich Graham danach vor die Kameras, die Stimme brüchig, das Gesicht grau. Ein „kompletter, absoluter Desaster“ sei das gewesen. Er wisse nicht, ob man mit diesem Mann jemals wieder Geschäfte machen könne.
Zehn Tage lang stoppten die Vereinigten Staaten daraufhin sämtliche Militärhilfen für die Ukraine. Graham drängte in dieser Phase auf ukrainische Präsidentschaftswahlen mitten im Krieg. Selenskyj deutete das später als Aufforderung zur eigenen Absetzung – eine russische Position, die US-Vertreter, wie er sagte, „aufgegriffen“ hätten, um ihn loszuwerden. Es war der wohl schmerzhafteste Riss in einer Beziehung, die auf gegenseitigem Nutzen aufgebaut war und dabei doch fast familiär wirkte.
Ausgerechnet in der Woche seines Todes schien Graham dieses Kapitel doch noch zu einem guten Ende zu bringen. Aus Kiew meldete er, eine überarbeitete Fassung des Sanktionsgesetzes habe endlich den Segen der Trump-Regierung. Bald werde es losgehen, „sehr bald“. Es war seine letzte politische Botschaft. Ob sie sich einlösen lässt, ist heute völlig offen. Kyslyzja formulierte am Sonntag den Auftrag an den Senat wie eine Trauerrede: Die Kolleginnen und Kollegen sollten Graham ehren, indem sie sein Gesetz endlich verabschieden. „Das wäre der richtige Weg, ihm Tribut zu zollen.“
Die kalte Arithmetik der Macht
Der Tod eines Senators ist immer auch eine Rechenaufgabe. Im Fall von Lindsey Graham wird sie brutal. Die Republikaner hatten im Senat eine Mehrheit von 53 zu 47 Stimmen. Klingt komfortabel. Ist es nicht. Denn seit vergangenem Monat liegt auch Mitch McConnell im Krankenhaus, gestürzt und danach an einer Lungenentzündung erkrankt, ohne dass ein Rückkehrtermin feststünde. Mit Graham fällt nun der zweite Schwergewichts-Republikaner aus. Beide waren die letzten verbliebenen Fürsprecher der Ukraine im Trump-Lager. Ein doppelter Schlag, der ausgerechnet den prorussischen Kräften in Washington in die Hände spielt.
Der Kalender kennt keine Trauer. Nur vier Sitzungswochen hat der Senat, bevor die lange Sommerpause bis Mitte September beginnt. In dieser Zeit soll die kontroverse Anhörung des designierten Justizministers Todd Blanche über die Bühne. Ein neues Reconciliation-Gesetz steht an, für das Graham als Vorsitzender des Haushaltsausschusses zuständig gewesen wäre. Sein Posten fällt nun voraussichtlich an den Republikaner Ron Johnson aus Wisconsin. Auch der sogenannte SAVE America Act, das Prestigeprojekt Trumps zu Wahlrechtsverschärfungen und einem Verbot von Transgender-Athletinnen im Frauensport, hängt in der Luft. Graham hatte ihn noch vor einem Monat mit gewohnter Zuspitzung verteidigt: Wer keinen Lichtbildausweis vorlegen wolle, sei „wahrscheinlich am Betrügen“. Trump nannte den Verlust am Sonntagmorgen „einen schweren Schlag“ für das Gesetz.
In Columbia, der Hauptstadt South Carolinas, beginnt derweil ein Kandidatenkarussell. Gouverneur Henry McMaster, ein enger Verbündeter Trumps, wird zunächst einen Interims-Senator ernennen, der bis Januar amtiert. Danach entscheidet eine Spezialwahl. Die Bewerbungsfrist öffnet am 21. Juli, endet am 28., die Vorwahl findet am 11. August statt, die Stichwahl am 25. August. Ein politischer Sprint. Die Kongressabgeordnete Nancy Mace hat bereits ein Godfather-III-Zitat auf Social Media gepostet – die Rückkehr in den Ring. Das Weiße Haus lehnt sie ab. Auch Ralph Norman, Vizegouverneurin Pamela Evette und der frühere Herausforderer Mark Lynch positionieren sich. Jeder Wechsel eines Abgeordneten in den Senat würde Trumps ohnehin dünne Mehrheit im Repräsentantenhaus weiter aufreiben.
Trump selbst deutete am Sonntag bei Meet the Press an, er habe „jemanden im Kopf“, der großartig wäre. Den Namen nannte er nicht. Es sei „zu früh“. Für einen kurzen Moment klang der Präsident tatsächlich wie jemand, der einen Freund verloren hat. Dann war er wieder Politiker.
Das Schweigen des Übersetzers
Was verliert Washington also wirklich? Nicht bloß einen Senator, der 64-mal bei Meet the Press saß. Nicht bloß einen Ukraine-Reisenden, der Bombardements aushielt, um Berichte aus erster Hand mitzubringen. Sondern ein Betriebssystem. Graham war der einzige Republikaner, der Wolodymyr Selenskyj wie ein Trainer coachte und Donald Trump wie einen Automaten programmierte. Er sprach beide Sprachen – die Sprache des belagerten Idealisten und die Sprache des Deal-Makers. Er war ein Übersetzer.
Trump hat am Sonntagmorgen kurz vor vier Uhr auf Truth Social geschrieben, Graham sei „einer der größten Menschen und Senatoren“ gewesen, die er je gekannt habe. Im Fernsehen ergänzte er später, Graham sei „wirklich ein großer Politiker“ gewesen, „actually“. Es war der Präsident, der sich selbst tröstete. Denn Trump verliert nicht nur einen Vertrauten. Er verliert seinen Vermittler zu einer Welt, die er nicht versteht und nicht schätzt: die Welt der Bündnisse, der Reisen unter Luftalarm, der Nachtzüge nach Kiew.
Bleiben drei Fragen, die diese Woche in Washington entscheiden wird. Wird der Senat Grahams Sanktionsgesetz endlich verabschieden – aus Ehrfurcht oder aus Trägheit? Wird Trump einen neuen Flüsterer finden, der ihn auf Selenskyjs Seite hält? Und woran wird man sich in fünf Jahren erinnern: an den brüllenden Verteidiger Brett Kavanaughs, den Trump zu Grahams Vermächtnis erklärt hat? Oder an den Senator, der in einem Kirchhof in Butscha stand und von „geheiligtem Boden“ sprach?
Im Studio von Meet the Press blieb an diesem Sonntag ein Stuhl leer. Auf ihm saß, wenige Stunden später, Donald Trump. Es ist das ehrlichste Bild dieser politischen Woche. Der Übersetzer schweigt. Und wer ihn ersetzt, wird nicht dieselbe Stimme haben.


