Die Absurdität der Macht – Zwischen abblätternder Farbe und globalen Geisterfahrten

Illustration: KI-generiert

Willkommen in einer Epoche, in der sich die amerikanische Regierungskunst irgendwo zwischen einer bizarren Komödie und einer düsteren, schleichenden Bedrohung eingependelt hat. Es knirscht gewaltig in den Institutionen, ein unüberhörbares Warnsignal, das von der innenpolitischen Bühne bis weit in die globalen Netzwerke hallt. Wer den Zustand dieser Machtzentrale begreifen will, darf nicht nur auf die lauten Dekrete achten, sondern muss die absurden, scheinbar nebensächlichen Details studieren. Mitten im Herzen von Washington D.C., am historischen Reflecting Pool, entfaltet sich derzeit ein Drama, das die ganze autoritäre Reizbarkeit der amtierenden Machtelite illustriert. Dort löst sich die frisch aufgetragene blaue Farbe am Grund des Beckens in massiven, unansehnlichen Brocken auf, ein klägliches Zeugnis handwerklicher und administrativer Nachlässigkeit. Was in einer gesunden Demokratie ein banaler Fall für die städtische Bauaufsicht wäre, mutiert in der aktuellen Atmosphäre der Paranoia zu einer Staatsaffäre ersten Ranges. Ein siebenundsechzigjähriger Fahrradfahrer, der sich dem von Algen durchsetzten Wasser näherte und lediglich in die Brühe griff, um die Konsistenz des bröckelnden Bodens zu prüfen, wurde von den Sicherheitsbehörden prompt verhaftet. Es ist die bedrückende, fast schon nordkoreanisch anmutende Logik eines Systems, das den Anblick des eigenen Pfusches nicht ertragen kann und deshalb gnadenlos jene kriminalisiert, die genauer hinsehen.

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Dieser administrative Wahn wird von einer treuen, hyperventilierenden Medienmaschinerie befeuert. Auf Fox News fordern konservative Kommentatoren wie Peter Doocy und die ehemalige Richterin Jeanine Pirro allen Ernstes, renommierte Hauptstadtjournalisten wie Jonathan Karl von ABC vor ein Strafgericht zu stellen, weil dieser den sich ablösenden Gummi des Beckens ebenfalls berührt haben soll. Um von der offenkundigen Wahrheit der eigenen Unfähigkeit abzulenken, erfindet der Präsident der Vereinigten Staaten kurzerhand die hanebüchene Geschichte eines massiven Vandalismusaktes. Er fantasiert in öffentlichen Stellungnahmen von einem zweihundertfünfzig bis dreihundert Fuß langen Schnitt, der angeblich mutwillig in den Boden des Beckens geschlitzt worden sei – und das an einem Ort, der rund um die Uhr lückenlos von Überwachungskameras aufgezeichnet wird. Die Beseitigung dieses architektonischen Desasters ist ebenso bezeichnend für die korrosive Natur dieser Administration: Die dringenden Reparaturarbeiten wurden ohne reguläre, transparente Ausschreibung an eine zwielichtige Figur vergeben, die mit ihrer Aura stark an einen schmierigen Filmbösewicht aus den achtziger Jahren erinnert und bereits tief in einen vergangenen Skandal um Fitnessstudios verstrickt war. Als makabres, fast schon zynisches Symbol dieser ganzen Misere trieb unlängst ein totes Entenküken in der chemisch verunreinigten Brühe des Pools – ein tristes Bild, das die toxische Atmosphäre und den moralischen Verfall dieser Regierung treffender nicht einfangen könnte. Man blickt auf eine Mischung aus eklatanter Unfähigkeit und der ständigen Androhung staatlicher Gewalt, ein Zustand, in dem eine alternde Supermacht verzweifelt versucht, ihre Risse mit billiger Farbe und Handschellen zu übertünchen. Eine anhängige Klage einer Denkmalschutzgruppe, die bereits vor Wochen bemängelte, dass bei den hastigen Umbauten elementare historische Prüfprozesse ignoriert wurden, droht diese Farce nun juristisch aufzuarbeiten. Doch für die Regierung zählt nur die optische Täuschung, denn an genau diesem Beckenrand plant der Präsident eine pompöse Rede zur Eröffnung einer Messe, der die meisten namhaften Künstler längst fernbleiben.

Geopolitik im Hotelzimmer: Die Kapitulation als meisterhafter Deal

Doch die strukturelle Inkompetenz beschränkt sich keineswegs auf heimische Wasserbecken; sie frisst sich längst tief in die geopolitische Architektur ein und offenbart die erschreckende Schwäche der Vereinigten Staaten auf der Weltbühne. Während im Nahen Osten die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah im südlichen Libanon eskalieren, hat der Iran die strategisch essenzielle Straße von Hormus faktisch blockiert. Die direkten wirtschaftlichen Folgen für den globalen Handel sind verheerend: Wo sonst an regulären Tagen zwischen sechzig und achtzig Frachtschiffe und Tanker die Meerenge passierten, sank die Zahl der Durchfahrten dramatisch auf den absoluten Nullpunkt. Nach einem kurzzeitigen, bescheidenen Anstieg auf fünfzehn Schiffe brach der Verkehr zuletzt wieder auf kümmerliche drei Schiffe pro Tag ein. Die amerikanische Antwort auf diese massive, existenzielle Bedrohung der globalen Lieferketten ist keine Demonstration der Stärke, sondern eine diplomatische Bankrotterklärung, die der eigenen Bevölkerung verzweifelt als meisterhafter, harter Deal verkauft wird.

In der Schweiz versuchen Vizepräsident J.D. Vance und der Präsidentenschwiegersohn Jared Kushner in hastig anberaumten Verhandlungen, die iranische Seite zur Kooperation zu bewegen. Kushner, der über keinerlei offizielle Sicherheitsfreigabe verfügt und dessen Rolle als De-facto-Agent ausländischer Golfstaaten zutiefst problematisch ist, lenkt diese Gespräche maßgeblich und wird vom amtierenden Vizepräsidenten öffentlich als genialer Architekt des Abkommens gepriesen. Ein von katarischen Diplomaten, die hier als Vermittler auftreten, lanciertes Foto offenbart die ganze Peinlichkeit und strukturelle Schwäche dieser Mission: Die amerikanische Delegation kauert in einem unscheinbaren Hotelkonferenzraum, bewaffnet mit nichts weiter als einer Kaffeemaschine im Hintergrund, über einem einzigen, einsamen Laptop. Mangels eigener Autorisierung und technischer Vorbereitung musste Vizepräsident Vance Berichten zufolge die Identitätskarte einer fremden Frau in den Rechner stecken, um überhaupt arbeiten zu können. Die iranische Delegation strafte dieses traurige Schauspiel mit eiskalter Arroganz ab und boykottierte kurzerhand den für die Presse geöffneten Teil der Auftaktsitzung, während Kushner ziellos mit ein paar Golfstaaten-Vertretern im Raum umherirrte. Aus dieser Position der absoluten Demütigung heraus bietet Washington dem iranischen Regime die weitreichende Entfrierung von eingefrorenen Milliardenvermögen sowie weitreichende Sanktionserleichterungen an. Der zynische Spin, den Kushner und seine Verbündeten aus Katar dafür erfinden, um den Ausverkauf vor den amerikanischen Wählern zu rechtfertigen, lautet, dass diese freigegebenen Milliarden dem iranischen Volk zugutekommen sollen, indem die Mullahs verpflichtet würden, amerikanische Agrarprodukte wie Weizen, Mais und Soja zu kaufen. Niemand, am wenigsten die Verhandler selbst, glaubt ernsthaft an diese absurde Konstruktion. Im Gegenzug gibt sich die amerikanische Seite mit der extrem vagen und rechtlich kaum bindenden Zusage zufrieden, dass Teheran künftig wieder einige Inspekteure der Internationalen Atomenergie-Organisation ins Land lassen könnte – ein Zustand, der bereits Jahre zuvor in wesentlich strikterer Form etabliert war und leichtfertig aufgegeben wurde.

Es ist ein globaler Ausverkauf, der die Allianzen Amerikas auf unheimliche Weise in den Abgrund verschiebt. Während traditionelle, demokratische Verbündete wie die Ukraine, die in einem existenziellen Überlebenskampf für die liberale Demokratie bluten, fallen gelassen werden, bändelt man mit korrupten Autokraten an. Man biedert sich den Machthabern in Pakistan an – demselben Pakistan, in das amerikanische Spezialeinheiten einst im Schutz der Dunkelheit eindringen mussten, weil die dortige Regierung den Top-Terroristen Osama bin Laden jahrelang gedeckt hatte. In der Heimat versuchen die konservativen Meinungsmacher derweil mit geradezu grotesken Verrenkungen, diese geostrategische Kapitulation als einen Triumph der Härte umzudeuten. Wenn der Fernsehmoderator Trey Gowdy den ehemaligen Vizepräsidenten Mike Pence in einem Interview fragt, ob er schon einmal erlebt habe, dass dem Präsidenten die Geduld reißt, und dies als martialische Drohung an den Iran verstanden wissen will, zeugt das von einem eklatanten Realitätsverlust. Pence, der diese absurde Frage lediglich mit einem gequälten, ironischen Grinsen quittiert, weiß aus eigener, lebensbedrohlicher Erfahrung nur zu gut, was passiert, wenn sein ehemaliger Chef tatsächlich die Geduld verliert: Er setzt keine geopolitischen Hebel in Bewegung, sondern schickt einen gewaltbereiten, tobenden Mob los, um seine eigenen politischen Weggefährten zu jagen. Wer so tut, als sei diese Regierung imstande, auf der Weltbühne strategisches Schach zu spielen, ignoriert, dass sie nicht einmal in der Lage ist, den bürokratischen Irrsinn abzustellen, der Reedereien zwingt, Formulare wie in einer Behörden-Satire auszufüllen, bevor sie überhaupt wagen dürfen, die wieder geöffnete Wasserstraße zu befahren.

Der talentierte Mr. Vance und die Verachtung der Arbeiterklasse

Das intellektuelle Aushängeschild dieser von Widersprüchen zerfressenen, hohlen Politik ist Vizepräsident J.D. Vance. Er ist ein Mann, der den politischen Opportunismus zur perfekten, skrupellosen Kunstform erhoben hat – ein Chamäleon, das im Laufe seines stetigen Aufstiegs dreimal seinen Namen und mehrfach seine Religion wechselte, stets kalibrierend, welche Identität ihm gerade den maximalen Einfluss sichert. In einer bemerkenswerten verbalen Auseinandersetzung mit dem Journalisten Ross Douthat versuchte Vance unlängst, den extrem aggressiven, systematisch beleidigenden und unbarmherzigen Tonfall der aktuellen Administration zu rechtfertigen. Auf den berechtigten Vorwurf einer „aggressiven Unbarmherzigkeit“ gegenüber politischen Gegnern entgegnete er mit eiskalter Miene, dies sei lediglich die authentische, ungefilterte Art und Weise, wie die Arbeiterklasse nun einmal kommuniziere. Jede Kritik an diesem rüden, entmenschlichenden Verhalten brandmarkt er als arrogante Maßregelung, als den Versuch einer abgehobenen Elite, dem einfachen Volk den Mund zu verbieten.

Doch hinter dieser schillernden rhetorischen Volte verbirgt sich kein Verständnis, sondern eine abgrundtiefe Verachtung für eben jene Menschen, die er in Washington zu vertreten vorgibt. Er zeichnet das perfide Bild einer amerikanischen Arbeiterschaft, die von Natur aus bösartig, vulgär und empathielos sei – eine pauschale Verunglimpfung, die jeder gelebten Lebensrealität widerspricht. Wer mit Krankenschwestern, Lehrern oder Fabrikarbeitern spricht, findet dort oft ein Maß an Mitgefühl, Großzügigkeit und Anstand, das in den Chefetagen und Golfclubs der Milliardäre schmerzlich fehlt. Dieser zynische Missbrauch der einfachen Bevölkerung als billiger Schutzschild für das eigene, toxische Verhalten – etwa das Erfinden infamer Lügen über Einwanderer, die angeblich die Haustiere ihrer Nachbarn verspeisen – ist atemberaubend niederträchtig. Wie wenig der ehemals von Tech-Milliardären wie Peter Thiel geförderte Vance an eine aufrichtige, bodenständige Gesellschaft glaubt, zeigt ein Blick in seine eigenen Schriften. In seinem Buch „Communion“ glorifiziert er paradoxerweise nicht den schreienden Populismus, sondern die alte, elitäre, protestantische WASP-Kultur Amerikas. Er lobt Persönlichkeiten wie George H.W. Bush überschwänglich für deren gelebtes Verantwortungsgefühl und ihren von „Noblesse oblige“ geprägten Anstand. Es ist ein eklatanter, unauflösbarer intellektueller Bankrott: Auf der einen Seite preist Vance in seinen Büchern die würdevolle Zurückhaltung klassischer Staatsmänner, auf der anderen Seite verteidigt er auf offener Bühne die vulgäre, unkontrollierte Zerstörungslust seines aktuellen Dienstherrn. Das wahre Ziel dieser rhetorischen Blendgranaten ist längst nicht mehr der Schutz der sozial Schwachen, sondern die rücksichtslose Etablierung eines rohen, regressiven Beutesystems. Die Maske fällt endgültig, wenn Funktionäre wie Pete Hegseth systematisch Beförderungen von Frauen und Minderheiten in den höchsten Rängen des Militärs blockieren, einzig und allein, um ein ihnen verhasstes Leistungsprinzip durch ideologische Loyalität zu ersetzen. Es geht um die Rückkehr zu einer Welt, in der Ämter und Einfluss nicht durch Qualifikation, sondern als Beute in einer tief gespaltenen Republik verteilt werden.

Im Bann der Gurus: Globale Risse und eine Außenpolitik im Sektenschatten

Wenn die politische Spitze eines Landes derart moralisch und intellektuell erodiert, ist es kaum verwunderlich, dass diese Risse bis tief in das absolut empfindlichste Fundament des Staates – die nationale Sicherheitsarchitektur – reichen. Die kürzlich aufgedeckten Verbindungen der Direktorin der nationalen Geheimdienste, Tulsi Gabbard, lesen sich nicht wie eine politische Analyse, sondern wie das abstruse Drehbuch eines beunruhigenden Psychothrillers. Dokumente belegen, dass Gabbards gesamter politischer Aufstieg und ihre geopolitischen Positionierungen maßgeblich von einem auf Hawaii ansässigen Sektenführer namens Chris Butler, der sich selbst „Guru Saupananda“ nennt, gesteuert wurden. Dieser obskure, weiße Kultführer versorgte sie jahrelang mit detaillierten strategischen Anweisungen und präzisen Gesprächsnotizen, die insbesondere ein klares Ziel verfolgten: Den syrischen Diktator Baschar al-Assad vor einem Sturz durch amerikanische Interventionen zu bewahren. Das Ausmaß dieser intellektuellen Unterwerfung einer Spitzenpolitikerin ist minutiös dokumentiert. Bei der Analyse von zweiunddreißig Fernsehinterviews zeigte sich, dass Gabbard in vierundzwanzig Fällen exakt den Wortlaut benutzte, den ihr der Guru in seinen Memos vorgegeben hatte; in den verbleibenden Fällen variierte sie lediglich die Formulierung, hielt aber sklavisch am diktierten Inhalt fest. Dass eine Person, die derart nachweislich am Tropf esoterischer Einflüsterer und manipulativer Kulte hängt, nun die vertraulichsten Spionagegeheimnisse der Nation koordiniert, lässt Beobachter erschaudern. Es wirft ein grelles, vernichtendes Licht auf die völlige Ahnungslosigkeit und personelle Verkommenheit, mit der diese Regierung in hochkomplexe Krisenherde wie den Konflikt mit dem Iran hineinstolpert. Die Administration rekrutiert sich folglich nur noch aus zwei Archetypen: Entweder aus völlig wahnhaften Ideologen, die Befehle von Sektenchefs entgegennehmen, oder aus zutiefst korrupten Handlangern, die den Staat als Selbstbedienungsladen begreifen.

Dieser fundamentale amerikanische Kontrollverlust fügt sich nahtlos und unheilvoll in ein weltweites Muster der demokratischen Instabilität ein. Ein Blick über den Atlantik offenbart, wie toxische Heilsversprechen ganze Nationen lähmen können. In Großbritannien wird Premierminister Keir Starmer hastig aus dem Amt gedrängt – er ist damit unfassbarer Weise der fünfte britische Regierungschef, der innerhalb von nur einem Jahrzehnt scheitert. Es ist das andauernde, quälende Siechtum einer einst stolzen Nation, ein fortlaufendes Zeugnis der zerstörerischen ökonomischen und sozialen Fliehkräfte, die durch die populistische Illusion des Brexit freigesetzt wurden und das Land in eine tiefe Lebenshaltungskosten-Krise gestürzt haben. Wendet man den Blick nach Südamerika, genauer nach Kolumbien, so offenbart sich die wahnhafte Fratze des politischen Scheiterns in einer anderen, nicht minder gefährlichen Schattierung. Nach einer krachenden Wahlniederlage seines politischen Lagers flüchtete sich der amtierende sozialistische Präsident Gustavo Petro in die wilde, brandgefährliche Verschwörungstheorie, der Staat Israel habe mittels kompromittierter Software die Wahlen manipuliert und ihm den Sieg gestohlen. Es ist die universelle Blaupause des modernen Autoritarismus: Die Weigerung, demokratische Niederlagen zu akzeptieren, wird stets mit dem Suchen nach dunklen, äußeren Mächten beantwortet – ein Schauspiel, dem auf der Gegenseite ein neuer Präsident gegenübersteht, der seinen Wahlkampf allen Ernstes mit KI-generierten Videos bestritt, die ihn als Tiger zeigten.

Inmitten dieser globalen Manege des institutionellen Wahnsinns sticht ausgerechnet die italienische Premierministerin Giorgia Meloni als völlig unerwartete Stimme der Standhaftigkeit hervor. Während die amerikanische Führung demokratische Werte verramscht und Diktatoren hofiert, hält die Italienerin erstaunlich hartnäckig an der internationalen Unterstützung für die ukrainische Verteidigung fest und bietet dem amerikanischen Präsidenten offen die Stirn. Nachdem dieser in seiner gewohnt herabwürdigenden Art behauptet hatte, Meloni habe förmlich darum gebettelt, mit ihm auf einem Foto gesehen zu werden, ließ sie einen geplanten Staatsbesuch ihrer Delegation in den USA kurzerhand platzen und betonte unmissverständlich die diplomatische Souveränität Italiens. Es ist eine brillante Pointe der Zeitgeschichte, dass ausgerechnet eine europäische Politikerin, die einst selbst aus dem postfaschistischen Milieu mit schrillen, populistischen Tönen aufstieg, nun vom ordnungspolitischen Rahmen der Europäischen Union derart diszipliniert wurde, dass sie als rationales Korrektiv gegen die amerikanischen Entgleisungen fungieren muss. Es führt die brutale Isolation der Vereinigten Staaten vor Augen: Washington hat keine ernstzunehmenden konservativen Verbündeten mehr in der freien Welt, sondern schart lediglich noch korrupte Scheichs und wahnhafte Autokraten um sich.

Das Stadion als Antithese: Patriotismus gegen die dunkle Erzählung der Abschottung

Doch es gibt in diesen von Paranoia und Spaltung geprägten Tagen auch eine leuchtende Antithese zu dieser dunklen, klaustrophobischen Erzählung. Sie findet nicht in den hermetisch abgeriegelten Fluren der Ministerien oder den tristen Konferenzräumen der Diplomatie statt, sondern auf dem satten Grün der Stadien und in den pulsierenden Straßen des Landes. Die Fußball-Weltmeisterschaft, die derzeit quer durch die Vereinigten Staaten ausgetragen wird, liefert ein kraftvolles, unleugbares Gegenbild zur politischen Rhetorik der Abschottung. Weit abseits der polarisierten Metropolen öffnen unzählige amerikanische Provinzstädte – von Chattanooga in Tennessee bis hin zu Lawrence in Kansas – ihre Tore und Herzen für Mannschaften und Fan-Kolonien aus der ganzen Welt. Menschen aus Japan, den Niederlanden, lautstarke Anhänger aus Schottland oder von den Kapverden bevölkern die lokalen Pubs, trinken gemeinsam die Bars leer, feiern die Siege und betrauern die Niederlagen in völliger Harmonie mit der lokalen Bevölkerung. Es ist das lebendige Fest eines gesunden, weltoffenen und zutiefst liberalen Patriotismus – ein Zustand, in dem man die eigene Nation leidenschaftlich liebt, ohne die Existenz oder die Kultur des Anderen abzuwerten oder zu fürchten.

Diese friedliche, unbeschwerte Kameradschaft zertrümmert die zentrale, zynische Kernthese eines J.D. Vance in tausend Einzelteile. Sein stets wiederholtes, pseudo-intellektuelles Argument, wonach eine Gesellschaft angeblich nur dann stabil und kohäsiv bleiben könne, wenn sie sich abschottet und Menschen abweist, die anders aussehen oder anders beten, wird durch die vibrierende Realität auf den Straßen eindrucksvoll widerlegt. Die amerikanische Zivilgesellschaft zeigt sich in diesen Wochen robust, grenzenlos gastfreundlich und tief in sich verbunden, gerade weil sie diese globale Vielfalt umarmt und feiert. Der tatsächliche Riss im sozialen Gefüge des Landes, die wahre Erosion der Gemeinschaft, entsteht nicht durch friedliche Besucher aus der Ferne oder durch hart arbeitende Einwanderer. Die existentielle Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden geht von eben jenen Männern aus, die von den höchsten Ämtern des Staates herab gezielt Lügen verbreiten, Minderheiten verleumden und unablässig den Hass schüren, nur um ihr eigenes, bröckelndes Machtfundament aufrechtzuerhalten. Am Ende bleibt die tröstliche Erkenntnis: Während die Kulissen der Macht unter der Last ihrer eigenen Verlogenheit abblättern, erweist sich die Seele der Gesellschaft als weitaus widerstandsfähiger, als es die Architekten der Spaltung wahrhaben wollen.

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